Aktionswochen in Berlin – Linke Gruppen kämpfen gegen Gentrifizierung

Quelle: http://www.berlin-magazin.info/3741.html?&tx_ttnews[tt_news]=7452&tx_ttnews[backPid]=3346&cHash=107a4cc6d1

Die „action days“ gegen Gentrifizierung haben in Berlin begonnen. In den achtziger Jahren war die Gentrifizierung eher unter dem Begriff der „Yuppisierung“ bekannt.

Die Gentrifizierung von Stadtteilen ist zwanzig Jahre nach der Wende für viele Menschen in Berlin ein Problem. Nach Mitte und Prenzlauer Berg sind inzwischen auch Kreuzberg und Friedrichshain stark davon erfasst.

Das Phänomen der Gentrifizierung ist bekannt und wissenschaftlich erforscht. Es läuft weltweit unter gleichen Mustern ab: Wegen niedriger Mietpreise werden Stadtteile für Studenten, Künstler attraktiv und eine Subkultur bildet sich aus. Die neu zugezogenen werten die Stadtteile kulturell und szenemäßig auf und setzen damit einen in einem ersten Schritt die Stadtteile auf und viele der „alteingessesenen Mieter“ ziehen weg.

Viele der ehemals „armen“ Studenten steigen nach dem Studium ins Berufsleben ein und aus einem ehemals subkulurellen Stadtbezirk wird ein „hipper“ in denen Investoren Wertsteigerungsmöglichkeiten für Immobilien sehen. Die Renovierungen kommen nun nicht mehr den ursprünglichen Bewohnern zu Gute, die sich die teuren Mieten nicht mehr leisten können. Die ursprüngliche Bevölkerungsstruktur und der Charakter der Viertel wandeln sich.

Gegen diese Entwicklungen wollen sich die Initiativen durch Aktionen zur Wehr setzen.

So wurde die Berliner Polizei gestern und in der vergangenen Nacht zu mehreren Vorfällen gerufen, die offenbar politisch motiviert waren.

Im Laufe des Nachmittags hatten sich 40 Personen auf einem umzäunten Gelände in der Rigaer Straße in Friedrichshain niedergelassen, vier Zelte aufgebaut und Transparente an den Zäunen angebracht.

Die 27 Männer und 13 Frauen hatten Tische, Bänke, Lebensmittel und Kochgelegenheiten mitgebracht sowie Material zum Herstellen von Transparenten.

Da der Grundstückseigentümer Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs stellte, leiteten Beamte der Bereitschaftspolizei zwischen 17 Uhr 30 und 18 Uhr 30 die Anwesenden vom Gelände, stellten die Personalien fest und erteilten Platzverweise. Im Nahbereich gab es noch weitere sieben Identitätsfeststellungen.

Der Einsatz verlief ruhig. Im Internet gab die Initiative Bambiland die „Aneignung der Brache in der Rigaer Straße 22 bekannt“.

„Die Brache ist in unserer Nachbarschaft und sollte als Erholungs- und Begegnungsort und zur Umsetzung eigener Ideen der AnwohnerInnen entwickelt und gestaltet werden.

Nachbarschaftsgarten, Abenteuerspielplatz, Bolzplatz, legale Graffitiflächen – viele Konzepte, die mit wenig Geld auskommen, wären hier möglich. Denn wenn Menschen etwas selbst gestalten dürfen, packen sie auch selbst an, bauen gemeinsam auf, kümmern sich um die entstandenen Projekte.“, heißt es auf der Internetsite.

Bereits gestern früh wurde festgestellt, dass unbekannte Täter im Morgengrauen am Gebäude der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“ im Bona-Peiser-Weg in Mitte mehrere Schriftzüge an die Wände geschmiert haben. Die Texte und Abkürzungen sind überwiegend gewerkschafts- oder polizeifeindlich.

In der Adalbertstraße in Mitte haben Unbekannte gestern früh zwischen 5 und 7 Uhr fünf Fahrzeuge mit Kratzern oder aufgekratzten Schriftzügen, die sich beispielsweise gegen Bonzen richten, beschädigt. Es handelt sich um zwei Mercedeslimousinen, zwei BMW 3er und einen Dodge.

Gestern Abend gegen 19 Uhr 30 hat ein Sicherheitsdienst-Mitarbeiter in der Warschauer Straße in Friedrichshain festgestellt, dass unbekannte Täter die Glastür zwischen dem Vorraum und dem EC-Automatenraum einer Sparkassenfiliale beschädigt haben. Ein Geldautomat war mit einem Schriftzug politischen Inhalts beschmiert worden.

Ein Mitarbeiter des Objektschutzes entdeckte gegen 20 Uhr in der Wolframstraße in Tempelhof am Gebäude der Bundesagentur für Arbeit eine Buchstabenschmiererei.

In der Liegnitzer Straße in Kreuzberg bemerkte eine Polizeistreife gegen 20 Uhr 15 an einem Gebäude mit Loftwohnungen Sprünge in den gläsernen Haustüren.

Unbekannte Täter setzten gegen 20 Uhr 45 in der Händelallee in Mitte einen Pkw der Marke Citroen mit französischem Kennzeichen in Brand. Die Feuerwehr löschte. Verletzt wurde niemand.

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