Tag-Archiv für 'bambiland'

Repression gegen Bambiland – 40 Betroffene…

Quelle: http://de.indymedia.org/2009/10/263551.shtml
von meta_OPZ_363

Sie haben Bambi getötet… die Leiche wurde auf Bambiland gefunden – Schweine!

Bambiland war eine performative Raumkomposition in Echtzeit. TeamGreen behauptet es sei eine Besetzung gewesen, mit widerständigen Handlungen und angeblich gebrochenem Frieden ohne Haus. Klingt lustig ist es aber nicht, denn die Zuschauerinnen der Performance sind nun mit der Staatsgewalt konfrontiert und das kostet viele Euronen. Offenbar war das Konzept http://bambiland.blogsport.de/2009/06/06/bambiland-eine-raumkomposition/ für TeamGreen zu anspruchsvoll.

Zunächst eine Einladung an alle „Zuschauerinnen“, denen eine Vorladung ins LKA 534, Raum 525 zu KKA Held wegen angeblichem Verstoß gegen den §123 StGB (Hausfriedensbruch) zugestellt wurde:

bambi

Bambi is never alone!

Wir treffen uns alle am Mo., den 9.11.2009, um 18:00 im New Yorck im Bethanien (X-berg). Bitte weitersagen an alle Indymedia-Nichtleserinnen.

Wichtig: Beschuldigte müssen dieser Vorladung keine Folge leisten! Also ab in den Papierkorb damit oder neben die anderen Souvenirs aufs Klo hängen. Das ignorieren dieser Einladung hat keine Auswirkungen. Den Bullen geht es nur um eines: Sie wollen ihren Fall abschließen und Beweise gegen dich sammeln. Auch einen Anruf dürft ihr euch getrost sparen… einfach sitzen lassen und nicht hingehen.

Irgendwann nach dieser Einladung kommt dann eine kleine Geldstrafe ins Haus geflattert! Jetzt musst du handeln: Schriftlich Widerspruch einlegen! Das kostet nichts, verschafft uns Zeit und verursacht Verwaltungsaufwand ;) denn dieser Widerspruch kann jederzeit zurückgezogen werden.

Bei unserem Treffen im New Yorck werden wir Widerspruchsvorlagen bereithalten und eure Fragen beantworten. Einfach ausfüllen und ans Gericht senden.

Nächster Schritt: wir werden einen Anwalt kontaktieren und sehen welche Möglichkeiten es gibt, für die Freiheit der Kunst zu streiten. Letztlich ist „Hausfriedensbruch“ eines der günstigsten Delikte im StGB – ein wahres Schnäppchen… dennoch kann Mensch an dieser Stelle ins Grübeln geraten… denn es ist so, dass wir nur in einem angeblichen Rechtsstaat leben. Das bedeutet, dass Menschen standartisiert schuldig gesprochen werden. Egal ob du was getan oder nicht. Im Zweifelsfall SCHULDIG das ist die Realität. So wird es auch bei Bambiland sein. Unsere Unschuld müssen wir vor Gericht beweisen, aber auch das könnte schwierig werden, wenn voreingenommene Richterinnen Beweisanträge einfach ablehnen, aber… DON‘T PANIC! Wir arbeiten daran…

Und nach unserer Zusammenkunft findet im Bethanien, um 20:00 eine weitere, spannende Veranstaltung statt, zu der wir auch alle Bambis einladen wollen, denn wer Bambis kriminalisiert riskiert Bambule http://de.wikipedia.org/wiki/Bambule und das kann sich schon etwas heftiger im Lebenslauf niederschlagen…

„Ich bin im Knast, könnte in den Knast kommen…“

Im Rahmen des Anarchistischen Initiativen – Cafè im Bethanien werden wir
euch die Erfahrungen einiger Gefangener von Strasbourg mitgeben.
gemeinsam wollen wir mit Euch überlegen wie eine Vorbereitung auf den
Knast aussehen kann, mit welchen Situationen sollten wir dabei „rechnen“.

aus der Veranstaltungsreihe zur Antirepressionsarbeit – Solidarität Yeah!
http://breakout.blogsport.de/2009/10/15/bhr-solidaritaet-yeah-veranstaltungsreihe-zur-antirebressionsarbeit-17102009-15112009/

Und weil das alles Geld kostet wird morgen unsere erste Soliparty stattfinden. Unser Ziel ist alle Repressionskosten einzufeiern.

Meuterei in X-Berg – Bambiland Soliparty
Sa. 17.10. ab 21:02 Uhr – Meuterei, Reichenberger Str. 58

Vordergründige Minimal–Acid–Tekno-Party mit untergründigem Hintergrund

Ab 21:00 gibt es was auf den Magen: Volxküche
Ab 22:00 minimaler Zuck-Zappel-Warmup
Ab 24:00 schweisstreibende Feierarbeit

Line Up:

Stefan Stefanski (minimal) http://www.myspace.com/stephanstefanski
Marie Hard [[Hard Preset]] (Tekno) http://www.myspace.com/mariehard23
SUBKULT (Liveset)
Kali_yuga (Hardtek) http://www.myspace.com/kaliyugakrn
IngreDientS [[InFrAkTioN KoRe]] (Hardtek) http://www.myspace.com/normanduncan
Energia23 [[InFrAkTioN KoRe]] (Hardtek) http://www.myspace.com/energia23

+ Special Guests

Visuals:
Psycoptik http://www.myspace.com/psycoptik

Infos zu Drugs and Politics:
Autonomer Drogeninfostand http://psi-tv.tk und http://dcwiki.hanfplantage.de/wiki/Main_Page

…und jeder Cent, den du nicht nach Hause tragen willst, wird fuer den Sturz der noch nicht gebildeten Regierung verwendet. Freier Eintritt für Hassbrennerinnen und Krawallchaoten in Polizeibegleitung. Alle anderen orientieren sich bitte an unserer 3-Euronen-Verhandlungsbasis.

------------------------------

Und was war mit Bambis Leiche?
Nun auf Bambiland wurde ein totes Reh gefunden. Nein – das ist kein Scherz! Ein großes totes Reh lag in der Ecke, etwas verdeckt durch Gestrüpp. Wie die Rehleiche gefunden wurde? Ein Hund apportierte einen Ast, nachdem er im Gestrüpp herumwuselte. Doch der Ast entpuppte sich als Rehbein. Und der Rest des angewesten Körpers lag in einer Ecke etwas durch Sträucher verdeckt. Das hat zu Verwunderung bei einigen Bambis geführt. Wir haben keine Erklärung dafür… Eine Hypothese dreht sich um einen Einschüchterungsversuch des VS, bzw. des LKA wahlweise der PMS. Vielleicht haben sie zuviele schlechte Mafia-Filme gesehen, wir wissen es nicht. Eine andere Hypothese hat mit Voodoo-Magic zu tun… aber überzeugend sind beide nicht. Um sachdienliche Hinweise zur Aufklärung wird gebeten. Hinweise nehmen alle Bambis entgegen und leiten diese an die Ermittlungsgruppe „Bambis Rache“ weiter. (Und nochmal – das ist kein Scherz das tote Reh wurde tatsächlich gefunden, leider konnten keine Beweisfotos gemacht werden, denn das Reh war am nächsten Tag spurlos verschwunden. Es gibt jedoch einige Augenzeugen, darunter die Verfasserin dieses Textes!)

weitere Infos über Bambiland:

bambiland homepage
http://bambiland.blogsport.de

Berlin: Rigaer 22 ist jetzt BAMBILAND
http://de.indymedia.org/2009/06/252593.shtml?c=on#comments2

Autonome rauschen an
http://de.indymedia.org/2009/06/252845.shtml

Spontane Demonstration durch Berlin-F‘hain
http://de.indymedia.org/2009/06/253014.shtml

Berlin: Übersicht der Repression in den Aktionswochen
http://de.indymedia.org/2009/06/254408.shtml

Meuterei in X-Berg – Bambiland Soliparty

Sa. 17.10. ab 21:02 Uhr – Meuterei, Reichenberger Str. 59

Vordergruendige Minimal – Acid – Tekno-Party
mit untergruendigem Hintergrund:

bambiland
bigger

BAMBILAND – Was das ist?

Bambiland war eine performative Raumkomposition in Echtzeit. TeamGreen behauptet es sei eine Besetzung gewesen, mit widerstaendigen Handlungen und angeblich gebrochenem Frieden ohne Haus. Klingt lustig ist es aber nicht, denn die Zuschauerinnen der Performance sind nun mit der Staatsgewalt konfrontiert und das kostet viele Euronen. Offenbar war das Konzept fuer TeamGreen zu anspruchsvoll.

Ab 21:00 gibt es was auf den Magen: Volkskueche…
Ab 22:00 minimaler Zuck-Zappel-Warmup
Ab 24:00 schweisstreibende Feierarbeit

Line Up:
22.00 – 23.30 Koshka (Minimal)
23.30 – 01.00 Fazit0 (Acid/Tribe)
01.00 – 02.30 Subkult (Liveset)
02.30 – 04.00 Marie Hard (Tekno)
04.00 – 05.30 IngreDientS (Hardtek)
05.30 – 07.00 Energia23 (Hardtek)

…und jeder Cent, den du nicht nach Hause tragen willst, wird fuer den Sturz der noch nicht gebildeten Regierung verwendet.

Freier Eintritt für Hassbrennerinnen und Krawallchaoten in Polizeibegleitung.
Alle anderen orientieren sich bitte an unserer 3-Euronen-Verhandlungsbasis.

Bericht vom Bambiland und den ActionWeeks in Berlin im Juni 2009

coloradio

Heute hat ColoRadio, das freie Radio aus Dresden, ein Live-Interview mit einem Beobachter der performativen Aneignung „Bambiland“ geführt. Zum Anhören den Player clicken

oder Archive.org besuchen, hier findest du verschiedene Formate der Sendung zum download.

Aktionswochen in Berlin – Linke Gruppen kämpfen gegen Gentrifizierung

Quelle: http://www.berlin-magazin.info/3741.html?&tx_ttnews[tt_news]=7452&tx_ttnews[backPid]=3346&cHash=107a4cc6d1

Die „action days“ gegen Gentrifizierung haben in Berlin begonnen. In den achtziger Jahren war die Gentrifizierung eher unter dem Begriff der „Yuppisierung“ bekannt.

Die Gentrifizierung von Stadtteilen ist zwanzig Jahre nach der Wende für viele Menschen in Berlin ein Problem. Nach Mitte und Prenzlauer Berg sind inzwischen auch Kreuzberg und Friedrichshain stark davon erfasst.

Das Phänomen der Gentrifizierung ist bekannt und wissenschaftlich erforscht. Es läuft weltweit unter gleichen Mustern ab: Wegen niedriger Mietpreise werden Stadtteile für Studenten, Künstler attraktiv und eine Subkultur bildet sich aus. Die neu zugezogenen werten die Stadtteile kulturell und szenemäßig auf und setzen damit einen in einem ersten Schritt die Stadtteile auf und viele der „alteingessesenen Mieter“ ziehen weg.

Viele der ehemals „armen“ Studenten steigen nach dem Studium ins Berufsleben ein und aus einem ehemals subkulurellen Stadtbezirk wird ein „hipper“ in denen Investoren Wertsteigerungsmöglichkeiten für Immobilien sehen. Die Renovierungen kommen nun nicht mehr den ursprünglichen Bewohnern zu Gute, die sich die teuren Mieten nicht mehr leisten können. Die ursprüngliche Bevölkerungsstruktur und der Charakter der Viertel wandeln sich.

Gegen diese Entwicklungen wollen sich die Initiativen durch Aktionen zur Wehr setzen.

So wurde die Berliner Polizei gestern und in der vergangenen Nacht zu mehreren Vorfällen gerufen, die offenbar politisch motiviert waren.

Im Laufe des Nachmittags hatten sich 40 Personen auf einem umzäunten Gelände in der Rigaer Straße in Friedrichshain niedergelassen, vier Zelte aufgebaut und Transparente an den Zäunen angebracht.

Die 27 Männer und 13 Frauen hatten Tische, Bänke, Lebensmittel und Kochgelegenheiten mitgebracht sowie Material zum Herstellen von Transparenten.

Da der Grundstückseigentümer Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs stellte, leiteten Beamte der Bereitschaftspolizei zwischen 17 Uhr 30 und 18 Uhr 30 die Anwesenden vom Gelände, stellten die Personalien fest und erteilten Platzverweise. Im Nahbereich gab es noch weitere sieben Identitätsfeststellungen.

Der Einsatz verlief ruhig. Im Internet gab die Initiative Bambiland die „Aneignung der Brache in der Rigaer Straße 22 bekannt“.

„Die Brache ist in unserer Nachbarschaft und sollte als Erholungs- und Begegnungsort und zur Umsetzung eigener Ideen der AnwohnerInnen entwickelt und gestaltet werden.

Nachbarschaftsgarten, Abenteuerspielplatz, Bolzplatz, legale Graffitiflächen – viele Konzepte, die mit wenig Geld auskommen, wären hier möglich. Denn wenn Menschen etwas selbst gestalten dürfen, packen sie auch selbst an, bauen gemeinsam auf, kümmern sich um die entstandenen Projekte.“, heißt es auf der Internetsite.

Bereits gestern früh wurde festgestellt, dass unbekannte Täter im Morgengrauen am Gebäude der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“ im Bona-Peiser-Weg in Mitte mehrere Schriftzüge an die Wände geschmiert haben. Die Texte und Abkürzungen sind überwiegend gewerkschafts- oder polizeifeindlich.

In der Adalbertstraße in Mitte haben Unbekannte gestern früh zwischen 5 und 7 Uhr fünf Fahrzeuge mit Kratzern oder aufgekratzten Schriftzügen, die sich beispielsweise gegen Bonzen richten, beschädigt. Es handelt sich um zwei Mercedeslimousinen, zwei BMW 3er und einen Dodge.

Gestern Abend gegen 19 Uhr 30 hat ein Sicherheitsdienst-Mitarbeiter in der Warschauer Straße in Friedrichshain festgestellt, dass unbekannte Täter die Glastür zwischen dem Vorraum und dem EC-Automatenraum einer Sparkassenfiliale beschädigt haben. Ein Geldautomat war mit einem Schriftzug politischen Inhalts beschmiert worden.

Ein Mitarbeiter des Objektschutzes entdeckte gegen 20 Uhr in der Wolframstraße in Tempelhof am Gebäude der Bundesagentur für Arbeit eine Buchstabenschmiererei.

In der Liegnitzer Straße in Kreuzberg bemerkte eine Polizeistreife gegen 20 Uhr 15 an einem Gebäude mit Loftwohnungen Sprünge in den gläsernen Haustüren.

Unbekannte Täter setzten gegen 20 Uhr 45 in der Händelallee in Mitte einen Pkw der Marke Citroen mit französischem Kennzeichen in Brand. Die Feuerwehr löschte. Verletzt wurde niemand.

Links:

bambiland.blogsport.de

Besetzen und räumen Linke Actionweek – hält die Polizei auf Trab

Quelle: http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/?dig=2009%2F06%2F08%2Fa0121&cHash=0bc05c389b

Zahlreiche zerkratzte Autos, brennende Fahrzeuge und eine Platzbesetzung haben am Wochenende die Polizei beschäftigt. Die Vorfälle stünden offenbar im Zusammenhang mit den Autonomen Aktionswochen, die derzeit in Berlin laufen, sagte ein Polizeisprecher. Die Actionweek hatte am Samstag mit einer Demonstration in Potsdam begonnen. Dabei hatten mehr als 1.000 Menschen für „Freiräume statt Preußenträume“ protestiert. Parallel dazu wurde eine Brache an der Rigaer Straße in Friedrichshain von der Initiative „Bambiland“ mit Zelten und DJ-Set besetzt. Das Grundstück solle in einen Erholungs- und Begegnungsort umgewandelt werden, hieß es in einer Mitteilung. Die Polizei erteilte noch am selben Tag 40 Personen, die sie auf dem Gelände mit Transparenten, Tischen, Bänke, Lebensmittel und Kochutensilien antraf, Platzverweise. Der Einsatz verlief laut Polizeiangaben ruhig. Mit politischen Parolen wurden die Gebäude der Gewerkschaft Ver.di in Mitte und der Bundesagentur für Arbeit in Tempelhof verziert. Schließlich entdeckte eine Streife in Kreuzberg Sprünge in den gläsernen Haustüren eines Loftgebäudes. (dpa, taz)

Bewegungschor 4 – Die Räumung

Kinderfest im Bambiland – Erziehung verboten

Am Sonntag von 12:00 bis 18:00 Uhr, feiern wir mit euch, den jüngsten Kiezbewohnern Friedrichhains, ein Fest im Bambiland. Das ist ein neuer und riesiger Garten in der Rigaer Str. 22.

bambiland

Es gibt allerhand zu bestaunen, aber zusehen alleine gilt nicht: Mitmachen ist angesagt zum Beispiel beim Clownsworkshop… aber zuerst kommt das Kinderschminken . Bringt bitte Stoffreste mit, denn dein Clown versteckt sich hinter deinem Alltagsgesicht und das musst du erst abwischen ;)

Du darfst laut sein, wenn “Frank der Trommler” dir sein Instrument überreicht. Gemeinsam erkunden wir die Welt des Trommelklangs… voller Geheimnisse.

Entweder träumen oder tanzen? Nein! Du musst dich nicht entscheiden! Du kannst beides und “Annelie Traumtänzerin”verrät dir wie…

Um 16:00 Uhr beginnt das Abenteuer: Schnitzeljagd nach Bambis verlorener Schatztruhe! Sie ist gefüllt ist mit Süßem, Saurem und einer riesigen Überraschung! Doch bevor du sie finden kannst, musst viele Abenteuer bestehen.

Diese Einladung gilt nur für dich. Aber wenn du möchtest darfst du deine Eltern mitbringen. Nur Erziehung ist während des Kinderfestes verboten.

Heute bestimmst du selbst!

Initiative “Bambiland” gibt die Aneignung der Brache in der Rigaer Str. 22 bekannt

Pressemitteilung

Die Brache ist in unserer Nachbarschaft und sollte als Erholungs- und Begegnungsort und zur Umsetzung eigener Ideen der AnwohnerInnen entwickelt und gestaltet werden. Nachbarschaftsgarten, Abenteuerspielplatz, Bolzplatz, legale Graffitiflächen – viele Konzepte, die mit wenig Geld auskommen, wären hier möglich. Denn wenn Menschen etwas selbst gestalten dürfen, packen sie auch selbst an, bauen gemeinsam auf, kümmern sich um die entstandenen Projekte.

Nun geht es darum, die EntscheidungsträgerInnen davon zu überzeugen, dass ein kiezverträgliches Konzept für eine Nutzung die bessere Lösung ist, als eine höchstens als Spekulationsobjekt verwendete Brache. In den Prozess der Konzepterarbeitung sind die BewohnerInnen Friedrichshains und speziell die NachbarInnen in den angrenzenden Straßen aktiv einzubeziehen.

Dabei müssen wir nicht sofort mit ausgefeilten Konzepten aufwarten. Wichtiger ist es einen Raum zu schaffen, in dem sich alle Menschen ernst genommen fühlen, sich über ihre Ideen austauschen und sie realisieren können.

Wir wollen nicht entwickelt werden, sondern uns und unsere Stadt selbstbestimmt entwickeln. Die schrittweise vorangehende Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsteile aus einzelnen Stadtgebieten und Kiezen, die einen Aufwertungsprozess durchlaufen, soll aufgehalten werden. Mietsteigerungen, Luxussanierungen, Investitionsprojekte oder Überwachung sind einige Symptome einer solchen Entwicklung. Die drohende Folge dessen ist die soziale Spaltung der Stadt.

Das Ergebnis dieser sozialen Verdrängungs- und Aufwertungsprozesse, auch Gentrifizierung genannt, ist in Prenzlauer Berg zu besichtigen. In Friedrichshain sind sie in vollem Gange. Häuser werden erst leer gemietet und dann luxussaniert oder in Eigentumswohnungen umgewandelt. Diese Stadtentwicklungspolitik ist nicht nachhaltig und führt zur Verschärfung der sozialen Probleme Berlins!

Wir fordern:

Öffentliche nichtkommerzielle Nutzung des Geländes, um unkonventionellen Ideen, selbstorganisierten Projekten und kollektiven Prozessen Platz zu bieten.
Unser Zuhause ist nicht unser Bankkonto, sondern die Berliner Innenstadt!
Lasst uns gemeinsam kreativ sein!

Am So. den 07.06. sind alle jungen Bewohner Friedrichshains eingeladen zum ersten Kinderfest im Bambiland: Kinderschminken, Clowns, Trommelworkshop, Musik, eine Schnitzeljagd und viele Überraschungen!

Homepage: http://bambiland.blogsport.de
Email: bambiland206@googlemail.com

bambiland_logo

Bambiland – eine Raumkomposition

Stadtchoreografie in 5. Akten

Schauplatz ist das Ende einer Versuchsserie, ein aus den vorherigen Versuchen entwickeltes Setting und die Dokumente der Intervention werden Teil dieser Aktion: Die Texte werden einer Sprechpartitur folgend in 5 Akten aufgenommen. Manche Passagen formen einen Teppich über alle Klangobjekte hinweg, andere wieder werden unterschiedlichen Objektgruppen zugeteilt. Manche Passagen werden von den Sprechern wieder übersprochen zum Chor mit sich selbst.

Bambiland arbeitet mit einem zeitgenössischen Thema, transformiert die politischästhetische Praxis in eine medial-performative Untersuchung des öffentlichen Raums. Der Bewegungschor wird zur unendlichen Multiplikation einer Stimme, zusammengesetzt aus Sprache und Sprachmasken. Sprachfeindschaften, Sprachgrenzen, ein Medienchor aus einer einzigen Stimme, als Übermacht und Autorität bespricht chorisch mit sich den öffentlichen Raum.

Bambiland

Bewegungschöre

Bewegungschor 1: Wispern durchbricht die Stille und formt einnehmend den Raum als aufbauenden Akt. Bildempfänger werden zu Tonwerfern für Sprache und zielen auf die Stadt.

Bewegungschor 2: Der geschaffene Raum wird durch Mitteilung der Konsensrealität enthoben, der Zuschauer wird zum Beobachter der Stadtchoreografie und gleichzeitig zum Objekt der Betrachtung.

Bewegungschor 3: . Text wird als Laufschrift der Stadt entgegengestellt. Die Schrift wird konfrontiert mit Filmbildern und überschreibt sie. Akteure bedienen die Geräte in Realzeit. Die Stadt bewegt sich in Realzeit. Der Zuschauer als akustischer Funktionsgegenstand, wird mittels Realzeit-Komposition zum Objekt. Stadt und Zufall komponieren mit.

Bewegungschor 4: Polizeiabzeichen, Körper und Sprache werden zu einer Figur. Durch Realzeit-Komposition wird der Kontext verortbar und zuordenbar. Der Ton bedeutet die Stadtsituation und entfremdet sie. Die Komposition schreibt sich selbst. Vereinigung der Akteure mit den betrachteten Objekten.

Bewegungschor 5: Die zuschauenden Objekte der Betrachtung, werden zu Vermessungsgeräten die den normativen Alltag umsäumen. Das Ende ist Wispern und Stille…

Bewegungschor 1: Bambiland

Ich weiß nicht ich weiß nicht. Setzen Sie sich so abgebundene Strumpfkalotten auf die Köpfe, wie mein Papa sie immer zu seinen alten Arbeitsmänteln am Bau von unserem Einfamilienhäuschen getragen hat. Etwas Häßlicheres habe ich nie gesehen. Ich weiß nicht, welche Strafe für welche Schuld Sie bekommen sollen, daß Sie so etwas Häßliches aufsetzen müssen. Strumpf abschneiden, oben zubinden, daß so eine Art Bommel übrigbleibt, und dann auf den Kopf setzen. Das ist alles.

Meinen Dank an Aischylos und die „Perser“ , übersetzt von Oskar Werner. Von mir aus können Sie auch noch eine Prise Nietzsche nehmen. Der Rest ist aber auch nicht von mir. Er ist von schlechten Eltern. Er ist von den Medien.

Schon durchdringt schon dringt hindurch die Sonne, erster Bote des Leids, zu dem Herrn wie heißt er nur, jeder weiß, wie er heißt, schon durchdringt das Heer die Stadt, an Masse mächtig das Heer, doch nicht mächtig genug, durch Hungernde, Durstende würgt sichs hindurch, das Heer, auch durch die auf dem Weg drohende Stadt voller Menschen, allzu groß, maßlos an Zahl, so bös ihre Taten, kleiner nicht ist, was sie duldet, die Stadt, anheimelnd im Grund, wie sie da liegt in der Wüste, die Einwohner von der Sonne längst zum Tonheer gebrannt. Wie können wir nach alldem wieder gut werden mit dem Babyloniervolk? Was man auch sagt, die brüllen nur Wasser nur Wasser nur Wasser, nur Essen, nur Essen. Mein Sohn, mein Sohn, meine zwei Söhne, meine drei Söhne, meine vier Söhne. Alle weg. Alle weg. Am liebsten beides gemeinsam: Wasser und Essen. Pakete mit Nahrung, los ihr, runter von den Wagen, etwas schneller bitte, sonst schlagen, nicht mehr benetzt vom Wasser,  die Städter der erwählten Schar des Herrn noch die Schädel ein und damit eine ganze Welt der Gefühle, wie nur wir nur wir im Westen sie kennen,  und eine Welle des Hasses, wie nur die dort sie kennen. Auch wir haben Durst, jawohl, aber wir hassen wenigstens nicht, jawohl, doch wir haben auch Gefühle dazu. Die äußern wir wenigstens nicht. Wir sind nicht total gefühllos, und wo führen wir sie hin, die Gefühle? Wo kommen sie her, wo gehen sie hin?  Wo führen sie uns hin? Zur Befreiung des Volks führn sie uns hin. Was führen die sich dann so auf? Wollen nicht frei sein? Frei sein nur unter der Voraussetzung, verstanden zu werden? Was? Es wird immer zuviel oder zuwenig gesagt. Die Forderung, sich ganz zu entblößen, mit jedem Wort, das man spricht, ist eine Naivität. Deswegen sagen wir einmal gar nichts. Besser so. Man will immer wohlwollend verstanden werden, sonst würde man ja gar nichts sagen in die vielen Kameras und Mikros. Gegen das Fremde verbirgt man sich. Man selbst sagt immer nur, was man über sich gedacht haben will, nicht was man denkt. Was? Was? Die wollen gar nicht verstanden werden? Was machen wir uns dann die Mühe? Uns ist das egal. Wir machen eh, was wir wollen. Nein, wir können nicht immer machen, was wir wollen. Aber deshalb führen wir uns längst nicht auf. Wir sind echt. Wir greifen zum Raub, wenn wir was wollen.  Es raubt uns den Verstand, wenn wirs nicht kriegen. Wo ist jetzt das ganze Öl hin, ungenutzt? Es brennt. Es brennt. Sprengstoff rund um die Quellen, wo das Öl sich staut und nutzlos verbrennt. Das kann man sich nicht vorstellen, und schlecht kann man es voraussehen. Wer sich aus der Salzflut Strom retten könnte, wenigstens den töteten wir. An unser Haus können Sie den Brand legen, an unsere Götterbilder können Sie auch den Brand legen, aber nicht an unser Öl und nicht an unseren Fernseher, den behalten wir, unsren Altar, der darf nicht spurlos fort, der ist doch die Spur! Der ist unsre Leuchtspurmunition, damit wir im Dunkeln sehen können. Damit wir auch im Dunkeln sehen, wie  einschlägt der Blitz im Strom des feindlichen Heers. Und da ist ja auch unsere abgereicherte Uranmunition, ich hab sie vorhin schon gesucht, die brauchen wir nämlich unbedingt. Schauen Sie, ich will es in einfachen Worten erklären warum: Die Energie, die ein Geschoß enthält, bezieht es aus Geschwindigkeit und Masse.

Sein und Nichtsein fallen übereinander her und werden eins. Es ist unentschieden ausgegangen zwischen Sein und Schein. Beide gleich stark. Gut so. Es gibt eh kein Kriterium für Realität, sage ich einmal so. Es ist alles wahr, was Sie sehen, aber es ist nicht richtig. Das Sein ist immer nur ein Grad von Scheinbarkeit, und der Schein kommt aus diesem Fernsehgerät, welches ich ebenfalls erschaffen habe. Es ist ein praktisches Zusatzgerät zu all diesen Bomben. War das nicht nett von mir? So können Sie sie wenigstens verfolgen, die Bomben, aber einholen werden Sie sie nicht. Sie brauchen sich nicht zu bedanken. Sein und Schein, die beide eins sind, auch das habe ich bewirkt, indem ich das Fernsehen erfunden habe, ist aber schon lange her, aber seither ist es doch so, seien wir ehrlich: Sein und Schein ergibt noch nicht Sein. Manchmal ergibt auch der Schein von Nichtsein ein Sein. Realität ist graduell nur Scheinbarkeit, und zwar gemessen an der Stärke des Anteils, den wir dem Schein geben. Aus. Ich habe meinen ganzen Anteil dem Schein gegeben. Jetzt bin ich zufrieden. Ich habe so viel geschaffen. Früher hab ich es verschenkt, zuviel verschenkt, jetzt verkaufe ich es. Ich denke, ich kann mit mir zufrieden sein. Wo wenig ist, ist auch wenig Schein. Je weniger Dinge, umso weniger können sie scheinen. Na, gibts wenigstens im Geistigen eine kleine Vernichtung? Nein, im Geistigen gibt es keine kleine Vernichtung. Da muß ich Sie enttäuschen. Ich meine, die Vernichtung ist nicht gerade klein, die wir im Geistigen erzielt haben. Das ist doch auch schon was, den nächsten Zielpunkt-Markt zu kennen. Ins Visier nehmen, abdrücken, aus aus aus. Aber irgendwas muß ja bleiben.  Was? Ich grüble noch, was. Man muß dem Werden von Anfang an den Charakter des Seins aufdrücken, dann wird es schon werden. Dann wird das schon unsere Macht geworden sein. Weil wir sie gewollt haben. Einer muß sie ja wollen, da liegt sie am Boden, alle steigen drauf, sie ist schon ganz dreckig geworden, einer muß sie ja wollen, einer muß sie ja nehmen, und dann hat er sie auch schon. Einer hat sie sich genommen. Bravo. Applaus. Weil er sie gewollt hat, hat er sie sich genommen. So hab ich mir das auch vorgestellt mit meinem Willen. Er kann ja immer noch sagen, ich hätte es ihm gesagt, er solle sie sich nehmen, die Macht. Das geht immer. Mich fragt ja keiner. Ich sage es aber trotzdem. Er soll sie sich nehmen, einer muß es ja tun. Die liegt da, die Macht, und diese Stiefel dort sind, rein aus Neugierde wies weitergeht,  über sie drübergehopst, und diese auch, sind manchmal auch draufgetreten, das kommt ja vor,  die Augen haben derweil ferngeschaut, ich meine, sie haben in die Ferne gesehen.  Die arme Macht. Sie macht Arme ärmer und Reiche reicher. Das ist ihre Eigenheit, unter vielen andren Eigenartigkeiten. Alles kommt immer wieder, vor allem die Kriege. Aber daß sie immer wiederkommen, ist eben die extremste Annäherung dieser Welt des Werdens an die des Seins. Es IST alles, weil alles kaputt ist.  Weil wir es gesagt haben und aus. Aus. Aus. Aus. Wir stehen auf dem Gipfel der Betrachtung, schauen um uns, sehen, daß das, was ist, Schein ist, sobald es endlich geworden ist, sobald es endlich nichts geworden ist, wieder nichts,  und wir wenden uns ab und schauen in uns hinein und aus uns heraus. Wir wissen nichts, wir erfahren nichts, wir irren uns, wir fangen von vorn an, wir täuschen uns, wir täuschen andre, wir sind enttäuscht, daß wir noch nicht gewonnen haben. Aber bald haben wir gewonnen. Bald kaufen wir wieder ein Los, bald sind wir uns los, einer wird uns schon helfen, ich bins nicht, noch nicht, aber bald, aber bald. Aus. Aus. Aus. Na endlich spritzt der ab. Ich hab schon geglaubt, er kommt überhaupt nicht mehr. So. Jetzt ist auch das erledigt.

Bewegungschor 2: Die Betrachtung des Objekts

Das gibts doch nicht! Nein, das glaub ich nicht, sie leben doch noch, nein,
doch nicht. Die sind tot, da gibts nichts. Vielleicht kennen sie gar kein
einziges von den Gefühlen persönlich. Wo sie doch an Gott glauben. Das
genügt ihnen aber nicht. SIE WOLLEN DAS VATERLAND BEFREIEN. Können
sie aber nicht, denn nur wir halten dem Verführer, der uns nur aufhalten
würde, stand und stellen die Religion in Frage und die Steine stellen wir in
Frage und den Sand stellen wir in Frage und das Wasser stellen wir in
Frage, nur wir kennen Gott und haben erkannt, wir wollen ihn nicht, wir
Verführer von niemand, wir Verführer des Bildes allein. Wenn wir ins Haus
gekommen, dann drehn wir das Bild sofort auf. Das muß funktionieren.
Und es funktioniert auch. Sofort. Nie spurlos fort unserer Gottheit Bilder,
die wir dort sehn, die nur wir dort sehn auf dem leuchtenden Schirm. So,
wir entFernen dieses Volk vom Glauben, geben ihm dafür endlich unser
Bild und AUS. Dann wird es gut sein. Dann wird dieses Volk vollkommen
am Ende sein, das keinen Begriff vom Primat der Person hat, denn ein Volk
ohne jede einzelne Person, das gibt es nicht. Aber den Gott, den kennen
sie. Das ist die Hauptsache. Sie kennen keinen, sie lieben keinen, aber den
Gott, den kennen sie. Gefühle kennen sie nicht, aber einen Gott, den
kennen sie angeblich. Sie sagen es. Und sie wissen auch, daß das ihrer ist.
Die werden uns jetzt kennenlernen. Wetten, daß bald wir ihre Götter sind

Bewegungschor 3: Die Laufschrift

Anarchismus
Anarchismus bedeute eine soziale Ordnung, die auf der freien Vereinbarung Einzelner, mit dem Zweck wirklichen sozialen Wohlstand zu schaffen, beruhe, eine Ordnung, die jedem menschlichen Wesen freien Zugang zur Erde und vollen Genuss des zum Leben Notwendigen, entsprechend individuellen Wünschen, Neigungen und Bedürfnissen, zusichern werde.

Bevormundung
Jede Form der Bevormundung verhindert die Entwicklung eines emanzipativen Bewußtseins, das Vorraussetzung dafür ist, dass Menschen frei miteinander leben können.

Zwang
Er ist gegen alle Eingriffe und jeden Zwang. Aber wenn jemand Sie angreift, dann ist dieser es, der Sie überfällt und der Gewalt gegen Sie anwendet. Sie haben das Recht, sich zu verteidigen. Als Anarchist ist es sogar Ihre Pflicht, Ihre Freiheit zu verteidigen und sich gegen Zwang und Druck zu wehren. Andernfalls sind Sie ein Sklave, nicht aber ein freier Mann.

Revolution
Die soziale Revolution muß die Emanzipation des Menschen durch Freiheit erreichen, aber wenn wir zur Freiheit kein Vertrauen haben, wird die Revolution zu einer Verneinung und einem Betrug ihrer selbst.

Bücher
Das Leben lehrt die Menschen mehr als alle Theorien und Bücher es je vermögen. Die, die meinen, das was sie sich häppchenweise aus Büchern angeeignet haben, einfach in die Praxis übernehmen zu können, machen sich selbst etwas vor; die, die solche Bücher aber mit den Erfahrungen des Lebens bereichern, können ein Meisterwerk schaffen.

Genuß
Wer eine ausgereifte GenußKultur entwickelt hat, der ist auch reif für einen sinnlichen oder sinnvollen DrogenGenuß. Menschen, die fähig sind, den Genuß ihrer Drogen zu kultivieren, werden durch ihren DrogenGenuß wie auch durch ihre GenußKultur bereichert, Menschen, die dazu nicht fähig sind, laufen Gefahr, durch ihren Drogenkonsum und ihrer Konsumkultur früher oder später zunehmend an Lebensqualität einzubüßen. Zum wahren DrogenGenuß und echter GenußKultur befähigte Menschen sind in der Lage, eine DrogenKultur zu gestalten – oder besser: zu schöpfen – und in einer Art zur Entfaltung zu bringen, daß die Teilhabenden an dieser Kultur diese auch genießen können, also auch Teil am KulturGenuß haben können.

Autonomie
Eines dieser alternativen Erklärungsprinzipien wäre das der Autonomie. Damit will er keineswegs alle Probleme wegdefinieren, die man bislang mit Sucht oder Abhängigkeit definierte, sondern lediglich erreichen, „daß das Verhalten der sogenannten ‚Abhängigen‘ nicht mehr als sinnlos und damit krank, unnatürlich und behandlungsbedürftig eingestuft wird, sondern daß man voraussetzt, daß es aufgrund individueller Entscheidungen im Rahmen der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgewählt wird, das heißt, daß es Sinn macht für diese Personen. Das Konzept impliziert weiterhin, daß dieser Sinn so akzeptiert werden kann, und daß andere Verhaltensweisen als die, die wir selbst wählen, ebenfalls berechtigt sind.“ Wenn man sich auf diese Herangehensweise einläßt, dann bedeutet das in der Konsequenz, dem Betroffenen als einem autonomen, in eigener Verantwortung und vor allem mit Sinn handelnden Individuum gegenüberzutreten, und ihm nicht nur eine einzige Bewertung seines Verhaltens, nämlich die der Sucht, anzubieten. Damit wäre dann auch eine Entdramatisierung der Sucht und ihrer Entstehung möglich, die einen ganz anderen und möglicherweise effektiveren Umgang mit den infrage stehenden Phänomenen begünstigen könnte.

Sucht
Aus dieser Perspektive gewinnt süchtiges Verhalten eine ubiquitäre (allgegenwärtige) Qualität. Der Abhängige, der Süchtige ist nicht mehr der Andere, der Fremde, den es, notfalls mit mehr oder weniger gutgemeintem Zwang, einer vermeintlich universalen Moral anzugleichen gilt. Sein Verhalten entdramatisiert sich vielmehr in dem Maße, in dem wir zu erkennen beginnen, wie ähnlich es unserem eigenen Verhalten eigentlich ist. Die Frage, die sich aus einer solchen Herangehensweise ergibt, ist dann nicht mehr „Wie wird man süchtig?“, sondern vielmehr die Frage „Wem nützt die Sucht?“ bzw. „Wem nützt die weiterhin stattfindende Dramatisierung der Sucht?“

Nette Leute
Das sind die netten Leute, die Beliebten, die mit allen gut Freund sind, die Gerechten, die human jede Gemeinheit entschuldigen und unbestechlich jede nicht genormte Regung als sentimental verfemen. Sie sind unentbehrlich durch Kenntnis aller Kanäle und Abzugslöcher der Macht, erraten ihre geheimsten Urteilssprüche und leben von deren behender Kommunikation. Sie finden sich in allen politischen Lagern, auch dort, wo die Ablehnung des Systems für selbstverständlich gilt und damit einen laxen und abgefeimten Konformismus eigener Art ausgebildet hat. Oft bestechen sie durch eine gewisse Gutartigkeit, durch mitfühlenden Anteil am Leben der andern: Selbstlosigkeit auf Spekulation. Sie sind klug, witzig, sensibel und reaktionsfähig: sie haben den alten Händlergeist mit den Errungenschaften der je vorletzten Psychologie aufpoliert. Zu allem sind sie fähig, selbst zur Liebe, doch stets treulos. Sie betrügen nicht aus Trieb, sondern aus Prinzip: noch sich selber werten sie als Profit, den sie keinem anderen gönnen. An den Geist bindet sie Wahlverwandtschaft und Haß: sie sind eine Versuchung für Nachdenkliche, aber auch deren schlimmste Feinde. Denn sie sind es, die noch die letzten Schlupfwinkel des Widerstands, die Stunden, welche von den Anforderungen der Maschinerie freibleiben, subtil ergreifen und verschandeln. Ihr verspäteter Individualismus vergiftet, was vom Individuum etwa noch übrig ist.

Sex
Eine Anzahl von Individuen – meist, nicht immer, bürgerlicher Herkunft – rebelliert gerade im Bereich von Sexualität gegenüber erworbenen Dressaten und Ängsten. Man könnte diese Rebellion durchaus als ein Einklagen von Lebensgewinn auffassen, der ihnen in den gegenwärtigen Organisationen von Familie, Schule, Universität usw. auf immer versagt bleiben sollte. Bei den Einzelnen, die sich zu Kommunen zusammenfanden, kommt freilich noch ein spezieller Begründungszusammenhang hinzu. Die in Familien und Schulen – ungeachtet der Sexualisierung der Öffentlichkeit – nach wie vor gleichwohl geforderten Triebverzichte und Leistungszwänge führten zu einer Trennung von Lust und Leistung. Was die Kommunarden hier suchten, würde ich etwa so formulieren: Das Denken an Lust und die Lust am Denken sollen sich hinfort nicht mehr ausschließen, der Zuwachs an Vernunft nicht mehr einen Zuwachs an Glück verhindern, obwohl die Vernunft doch lange ihre Triumphe nur unter dem Zwang der Askese gefeiert hat und obwohl nach einem alten gesellschaftlichen Vorurteil der Verstand angeblich vor der Lust die Segel streicht. (…) Vorerst scheint es so, als stünden diese beiden Sozialcharaktere – der disziplinierte Revolutionär einerseits und der, der Bewußtsein und soziale Beziehungen verändern will, andererseits – in einem unaufhebbaren Widerspruch zueinander. Leider kann man feststellen, daß heute das Aushalten und Bewältigen dieses Widerspruchs nicht mehr auf der Tagesordnung der Linken steht. Diese Tatsache kann dazu beitragen, daß das Bewußtsein eines antiautoritären Sozialisten von Trauer überschattet wird. Man wird sich freilich daran erinnern, daß revolutionäre Entwicklungen einen Wechsel von Kampfzyklen und Lernzyklen kennen und hoffen, daß die Linke ihre Entwicklung in den letzten Jahren auch unter diesem Aspekt begreifen wird. Das Aushalten und Bewältigen dieses Widerspruchs, das Zugleich von Kommunikations- und Vergesellschaftungsstrategie, setzt, soweit ich sehe, die einzige wirkliche Chance, in einem antizipierenden Vorgriff Strategien der Vermenschlichung der Gesellschaft und ihre Transformation in eine sozialistische zu entwickeln.

Die Bewegungschöre 4 und 5 komponieren sich selbst in Realzeit…

Wir danken allen Beobachtern, Aischylos, Jellinek, der Stadt, den Medien.